Wie schon erwähnt war ich am Wochenende in Antwerpen. Da findet nämlich jährlich die extreme convention statt. Das ist sozusagen ein Zirkusfestival bei dem sich Zirkusartisten aus der ganzen Welt treffen um gemeinsam zu trainieren. Außerdem findet gleichzeitig das atlas festival statt. Am gleichen Ort und zur gleichen Zeit zeigen unterschiedliche Kompanien und Einzelkünstler ihre Shows/Acts. Ich war dieses Jahr zum ersten Mal da (denn solange mache ich diesen Zirkus ja noch gar nicht mit) und es war wirklich fantastisch. Das ganze findet in einer riesigen (also wirklich superduperüberriesig) Halle statt, die direkt am Wasser gelegen ist. Da fühl ich mich natürlich direkt wohl, ist ja fast wie in Rotterdam vor meiner Schule.
In dieser Halle sind die unterschiedlichsten Apparaturen aufgebaut: Ein quadratischer Turnboden, 4 Chinese Poles, mehrere Vertikaltücher und -seile, Aerial Hoops, Trapeze, 5 Trampoline, 7 Teeterboards, eine Airtrack, eine Fläche für Cyrwheels und dazwischen noch etliche Weichbodenmatten, Bodenläufer, ein Wall-Tramp und Minitrampoline. Die Unterbringung war dafür nicht ganz so spektakulär. Es gab zwei große, zeltartige Dinger in denen man seine Isomatte und sonstigen Kram ausbreiten konnte. Wir (damit meine ich meine Studienkollegen von Codarts) haben gleich mal eine ganze Ecke beschlagnahmt.
Am Freitagabend, nachdem wir angekommen waren und ich mich ein bisschen orientiert hatte, ging es gleich mit einem Highlight los. Geboten wurde Speak Easy von Cie The Rat Pack. Das war wirklich fabelhaft. Technisch gesehen auf höchstem Niveau, alles aufs genauste durchchoreografiert und einfach nur tolle Unterhaltung. Wer einen genaueren Eindruck davon haben möchte, kann sich hier den Trailer auf Youtube ansehen. Was außerdem ziemlich beeindruckend war, war die Gestaltung des Foyers (so nenne ich es in Ermangelung eines besseren Begriffs). Ein ziemlich großer Teil der zweiten Halle, in der die Bühne aufgebaut war, wurde mehr oder weniger in einen Dschungel verwandelt. Auf Baugerüsten und von der Decke hängend und auf den Tischen und überall dazwischen stehend waren Pflanzen aller Art verteilt. Hängepflanzen, Rosenkohlgewächse, Bäume (ja, tatsächlich junge Bäume von ca. 3 Metern Höhe) und noch unzählige mehr. Das sah wirklich cool aus. Ich habe aus Interesse gefragt, wo die ganzen Pflanzen herkommen (denn so große Topfpflanzen zu kaufen ist ja ungeheuer teuer) - und sie haben sie von einer Gärtnerei oder Baumschule ausgeliehen, nur für das Festival. Echt der Hammer. Nunja, der Abend war auf jeden Fall ziemlich toll. Am nächsten Tag gab es dann Frühstück (was eine ziemlich lange Schlange verursacht hat. Aber etwa 400 Leute zur gleichen Zeit zu verpflegen ist auch keine leichte Aufgabe) und danach gingen die Workshops los. Ich habe natürlich das gesamte Wochenende Flooracro Workshops besucht und es voll ausgenutzt (und zunichte gemacht), dass ich meinen Fuß die letzten Wochen so vorbildlich geschont habe. Die Lehrer für diese Workshops waren fabelhaft. Der eine fand mich erst vielleicht ein ganz bisschen seltsam, da ich ungefähr in jedem seiner Workshops war - aber am Ende hab ich mich super nett mit ihm unterhalten. In jedem Fall habe ich richtig viel gelernt an diesem Wochenende. Und zwischen den Workshops gab es natürlich immer jede Menge zu bestaunen. Doppelte Rückwärtssalti beim Banquine, 3-facher Rückwärtssalto aufs Teeterboard, Jonglage mit ziemlich vielen Bällen. Achja, Essen gab es zwischendrin auch noch - und das war ziemlich gut. Und am Samstagabend gab es auch nochmal eine Show. Diesmal mit verschiedenen kürzeren Darbietungen. Und am Schluss nochmal ein echtes Highlight - La Konterbande (auch hier nochmal ein Trailer zur Show). Wirklich wirklich gut!
Das einzige Manko am Wochenende war, dass es in dieser Halle bitterkalt war. Denn irgendwo stand immer eine Tür offen und die Halle ist auch einfach so riesig, dass man die vermutlich auch mit geschlossenen Türen nicht so schnell warm kriegt. Gerüchten zufolge kostet eine Stunde heizen für diese Halle 60€ - kein Wunder also dass es fast Minusgrade hatte. Aber beim Trainieren wurde einem dann doch ziemlich schnell warm. Achja, zweites Manko: Mein Muskelkater. Ich habe definitiv gemerkt, dass ich die 4 Wochen vorher so gut wie nichts gemacht habe. Trotzdem war das ein richtig fantastisches Wochenende und ich will nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin!Ansonsten noch ein Schnelldurchlauf dieser Woche: Am Montag lag ich im Bett und habe meinen Muskelkater gepflegt, am Dienstag und Mittwoch bin ich über meinem Solo verzweifelt, am Donnerstag habe ich das Endergebnis gezeigt und am Freitag gesagt bekommen, dass es gar nicht mal so schlecht war. Außerdem natürlich das übliche: mit den Leuten in der Schule gequatscht, meine komische Mitbewohnerin nie gesehen, mit der anderen Mitbewohnerin gegessen, die Haare abrasiert, Cheesecakebrownies verzehrt, Taschen gepackt. Und jetzt ist es Freitagnacht und ich sitze im Fernbus (bitte auch eine eventuelle Häufung von Fehlern entschuldigen, ich treffe die Tasten nicht so gut bei diesem Fahrstil). Denn nächste Woche sind Ferien. Schon die letzten vor den Sommerferien - das Jahr ist sozusagen fast vorbei. Und ich wollte gar nicht so richtig weg, denn ich habe meine Klassenkameraden mittlerweile ziemlich lieb gewonnen. Zum Glück sind nur eine Woche Ferien.
Ich melde mich bei Gelegenheit wieder!

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