Freitag, 14. Oktober 2016

Beinahe Ferien - Tagesgeschehen

Unglaublich, aber wahr: Das war schon meine letzte Schulwoche vor den Herbstferien. Falls sich jemand fragt: In den Niederlanden ist das irgendwie ein bisschen anders. Ich studiere zwar, aber an einer Kunsthochschule, nicht an einer Universität. Ich habe das System noch nicht ganz verstanden (ok, "noch" ist definitiv beschönigt) und gehe deshalb davon aus, dass jede Hochschule einfach dann Ferien macht, wann es den Planmenschen am besten passt. Wir haben auf jeden Fall ab dem 17. Oktober eine Woche frei und demnach ist das meine letzte Unterrichtswoche gewesen.
Es ist nicht allzu viel passiert. Ich habe festgestellt, dass es sich doch gelohnt hat schriftliches Abitur in Englisch zu machen, da ich deshalb hier nicht beim Sprachtest teilnehmen musste. (Das wäre an sich nicht schlimm gewesen, aber ich hätte an einem kalten Dienstagabend zweimal mit dem Rad über die Erasmusbrücke gemusst - darauf verzichtet man doch gerne.)
Am Mittwoch wurde ich dann meiner Mittagspause beraubt, habe dafür aber kostenlose Verpflegung bekommen (ein fairer Tausch, wenn ihr mich fragt). Grund dafür war das monatliche Treffen der class representatives (das sind sowas wie Klassensprecher), von denen es zwei pro Klasse gibt und ich einer der beiden aus meiner Klasse bin (ist das ein deutscher Satz? Ich leide an Sprachschluckauf!). Da treffen wir uns mit den beiden Direktoren des circus department und besprechen alles, was in einem Monat halt so anfällt (Klimmzugstange, Projektwoche, komischer Hausmeister, Lehrerprobleme, Küchendienst). Außerdem ist es mir gelungen noch eine Restkarte für die Vorstellung Bosch Dreams von Les 7 doigts de la main (Die 7 Finger der Hand) in Delft zu ergattern. Ansonsten lässt sich über den Mittwoch nur sagen, dass er irgendwie sehr lang war. Wir
Fresspaket von Mami
haben alle dringend Ferien nötig :P
Donnerstags kam ich in die Schule und habe da eine ziemlich coole Überraschung vom Concierge bekommen - meine Mama hat nämlich ein riesiges Futterpaket zu mir geschickt (inklusive 2 Büchern, einer Kerze und einem Kartoffelschäler - mein Highlight!!!). Deshalb hatte ich auf jeden Fall den ganzen Tag sowieso schon gute Laune. Und abends bin ich dann mit dem Zug nach Delft gefahren, um mir Bosch Dreams anzusehen. Das ist eine Zirkusvorstellung, die das Theater Republique Kopenhagen zusammen mit der kanadischen Zirkuscompany Les 7 doigts de la main zu Ehren von Hieronymus Bosch entwickelt hat. Der ist nämlich aus den Niederlanden und vor 500 Jahren gestorben - wenn das kein Grund zu feiern ist, weiß ich auch nicht. Auch wenn die Vorstellung ihren Schwerpunkt definitiv nicht auf dem Zirkusaspekt hatte, war es echt toll. Zwischen den Artisten auf der Bühne und dem Publikum war nämlich eine Projektionsfläche, die je nach Bedarf durchsichtig, halbdurchsichtig oder blickdicht war und auf die unterschiedlichste Bilder von Bosch projiziert wurden. Die waren dann auch noch animiert, was ziemlich cool war. Es ist ein bisschen schwer zu beschreiben, aber der Effekt war auf jeden Fall echt genial. Die Kostüme waren auch echt gut gemacht, genau wie das Bühnenbild. Ich hätte mir das ganze gerne noch länger angeschaut. Am Ende der Vorstellung habe ich überrascht festgestellt, dass nur 6 Artisten mitgewirkt haben, die alle möglichen Rollen auf der Bühne verkörpert haben und somit in verschiedenen Kostümen im Prinzip die kompletten 1,5 Stunden auf der Bühne waren. Weniger überraschend war, dass ich ein paar Codartsstudenten getroffen habe. Und einen Gastlehrer, der aktuell bei uns an der Schule weilt, aber ursprünglich am École national de Cirque in Montreal unterrichtet (und außerdem beim Cirque du Soleil arbeitet - ein ziemlich interessanter Gesprächspartner). Wie es also der Zufall wollte,
waren 3 der Artisten in dieser Vorstellung von eben dieser Schule und kannten ihn. Und so kam eines zum anderen und am Ende saßen wir (5 Codartsschüler) zusammen mit den 6 Artisten und dem erwähnten Lehrer am 'Künstlertisch' und haben uns ziemlich nett und lange unterhalten. Wir (damit meine ich meine Kommilitonen) wurden auch mehr oder weniger dazu gedrängt, uns am Verschlingen der Snacks zu beteiligen, was wir natürlich auch mit großer Begeisterung getan haben ;)  Die Runde war echt unterhaltsam und sehr international (Finnland, USA, Norwegen, Deutschland, Kanada), was auch zu einigem lustigen Sprachwirrwarr geführt hat. So um viertel 12 hat der Gastlehrer, der mit dem Auto da war, dann netterweise noch 3 von uns mit zurück nach Rotterdam genommen. Als ich dann um 12 Uhr daheim war, hab ich noch meine Taschen gepackt und alle Lebensmittel aufgebraucht, denn am nächsten Tag - heute - war ja schon mein letzter Schultag. Der war im allgemeinen eher entspannt, wenn auch ein bisschen lätschig (weil ich ein klitzekleines bisschen müde war).Gerade sitze ich in einem Starbucks in Amsterdam neben der Bushaltestelle und warte auf meinen Anschluss nach Leipzig. Und dann sollte ich in 9 Stunden auch schon in Leipzig sein. Verrückt wie schnell die Zeit vergangen ist, wirklich!
(Jetzt werde ich erstmal meine Ferien genießen und deshalb vermutlich eine Woche lang nichts von mir hören lassen)

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