Freitag, 3. November 2017

Theater op de Markt

Das Wochenende also: Ich war in Belgien. Freitags mit einigen meiner Klassenkameraden (Dries, Will, Ales und Jessica) in Gent, wo wir uns die Openstage vom Jugendzirkus Circusplaneet angesehen haben. Also, alle außer Ales - der stand auf der Bühne und hat ein bisschen gezaubert (das kann er echt richtig gut!).
Am Samstag sind wir dann nach Neerpelt gefahren, wo wir auch so ziemlich den ganzen Rest der Schule wieder getroffen haben. Da fand nämlich das Zirkusfestival Theater op de Markt statt. Auf einem großen Gelände gibt es gefühlt 5 Zirkuszelte und etliche Hallen und Freiluftspielorte and denen fantastische Zirkuskompanien ihre Shows zeigen. Und weil wir ja alle selber Zirkus studieren haben wir einen famosen Rabatt bekommen. Ich habe 4 Shows gesehen und dafür nur 20€ bezahlt. Das zahlt man sonst für eine Eintrittskarte.
Die Darbietungen die ich gesehen habe waren alle komplett unterschiedlich, aber definitiv interessant.

La Faux Populaire le Mort aux Dents - Le Cirque poussière 
Vielleicht meine Lieblingsshow an diesem Tag. Ach Quatsch, das ist schwer zu vergleichen. Aber ich fand es auf jeden Fall wirklich wirklich toll. Herzstück ist eine runde Bühne mit Drehvermögen in der Mitte der Manege und ein Kerl, der alles kann. Die Artisten stellen alle sehr starke Charaktere dar und bleiben diesen auch während dem gesamten Stück treu. Es gibt viel zu Lachen, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Mit ziemlich alltäglichen Gegenständen wird eine surreale Zirkuswelt präsentiert. Und die Musik (natürlich live von den Darstellern) ist auch ziemlich famos - es gibt sogar einen Opernsänger. Neben einer Vielzahl Flaschen, 4 Tellern, einer Karotte und einem Fahrrad spielen auch ein altes Grammophon, Lockenwickler, ein Cello und eine Trompete entscheidende Rollen. Das große Finale am Schluss, in dem sie dann zeigen dass sie auch technisch (also so richtig boah, krass, wow-Technik) echt was drauf haben und gut Leute durch die Luft schmeißen können, wäre für mich gar nicht nötig gewesen.
Eine Show in die ich gerne jeden, den ich kenne und mag mitnehmen würde. Von meinem Patenkind bis hin zu meinem Opa, einfach alle!
Einziger Minuspunkt: Die Sitzreihen im Zelt waren so eng beieinander, dass vermutlich selbst die Bewohnern von Lilliput sich hätten quetschen müssen.


Groupe Acrobatique de Tanger - Halka
Die nächste Show war komplett anders, auch als fast alles andere was ich bisher gesehen habe. Die Gruppe kommt aus Marokko und es ist wirklich fantastisch und unglaublich interessant zu sehen, wie sich deren andersartige Kultur auch im Zirkus so sehr widerspiegelt. Aus künstlerischer Sicht gesehen war es überhaupt nicht zu vergleichen mit dem zeitgenössischen Zirkus, wie er hier in Europa verbreitet ist. (Ich weiß von meinem Sitznachbarn auch, dass er es diesbezüglich fast schon lächerlich fand, also die künstlerische Umsetzung oder Aussage). Aber ich denke, man sollte erst gar nicht versuchen es zu vergleichen, sondern sich einfach drauf einlassen. Dann bekommt man nämlich einen Einblick in die arabisch geprägte Kultur Marokkos. Auch technisch gesehen war die Gruppe komplett anders - keine gestreckten Füße, jeder Turnlehrer wäre verzweifelt. Aber was sie gezeigt haben war trotzdem unglaublich, die Bodenakrobatik und die Pyramiden, alles 100%ig sicher ausgeführt. Und auf richtig hohem Niveau. Ein Mann, der 6 Personen auf den Schultern hat, Sideflips im Kreis so schnell dass einem schwindelig vom zusehen wird, Turnbahnen die man normalerweise auf Sprungboden schon beeindruckend finden würde - das alles gabs zu sehen. Inklusive traditioneller Musik mit Gesang der gesamten Gruppe. Echt toll.
Einziger Minuspunkt: Irgendwer muss den ganzen Sand, den die auf die Bühne gekippt haben auch wieder wegputzen!


Un Loup pour l'Homme - Rare Birds
Wieder ein ganz anderes Erlebnis. Eine Gruppe aus 5 Männern und 1 Frau, die Partnerakrobatik machen, aber ganz unkonventionell. Ich bin mir wirklich nicht sicher, wie genau das abläuft bei denen. Aber ich hatte stark den Eindruck, dass große Teile der Vorführung improvisiert waren, oder zumindest nicht starr festgelegt. (Und wenn alles festgelegt war bewundere ich die Kunst, es so frei aussehen zu lassen). Und das ist keine Kritik. Es war unglaublich toll anzusehen, wie eine Unterrichtsstunde Compo aber auf immens hohem Niveau. Es war eine Leichtigkeit dabei und irgendwie Unbeschwertheit und man hat ihnen den Spaß an der Sache angesehen. Die ganze Show war eher minimalistisch: Die Manege nur von einem runden Teppich bedeckt, fast keine Musik, die Akrobaten in Alltagskleidung. Also was auch immer es war, komplett frei improvisiert oder minutiös festgelegt, ich kann es nur empfehlen.
Einziger Minuspunkt: Eine der Bases hat am Ende so stark geschwitzt, dass man tatsächlich sehen konnte wie der Schweiß von seiner Haut wegdampft - ich habe mir kurz Sorgen gemacht.


Circa - What Will Have Been
Auf diese Show habe ich mich im Voraus am meisten gefreut. Wie es so oft ist, wurde ich dann ein klein wenig enttäuscht. Das will ich gerne näher erklären: Circa ist eine sehr bekannte Company aus Australien, die mit mehreren Shows in verschiedenen Ländern tourt und für ihr hohes technisches Level bekannt ist. Und das hatte die Show auch: ein unglaublich hohes technisches Level. Vor allem im Bereich Bodenakrobatik haben die 3 Akrobaten (2 Männer, 1 Frau) die unerhörtesten Sachen gemacht; auf einer Bühne die ca. 4x4 Meter groß war. Wirklich sagenhafte Verbindungen zwischen den Elementen und kreative Zusammenarbeit. Und natürlich waren die Artisten auch in etlichen anderen Disziplinen Spitzenklasse. Aber mir hat sehr das Gesamtkonzept gefehlt. Es hat sich angefühlt wie eine Reihe hochklassiger Acts, die einfach aneinander gereiht wurden. Inklusive plötzlicher Musikwechsel. Technisch gesehen also vermutlich die beste Show des Tages, künstlerisch gesehen definitiv nicht. Trotzdem bin ich sehr froh es gesehen zu haben. Man sollte halt nie zu viel erwarten!
Großer Pluspunkt: Das Zelt war richtig toll!




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