Sonntag, 29. Oktober 2017

Project Week, Krätze und Open Stage

Sososodaridarodarum. Hier bin ich also wieder, live und in Farbe. Falls diesen Blog tatsächlich jemand liest außer meiner Mama und meiner Schwester (Hallo an euch!) - Willkommen zurück. Meine Ferien habe ich in Deutschland verbracht, mit schönstem Herbstwetter, gutem Essen, einem Poetry Slam und vielen Familienbesuchen (auch wenn die Zeit mal wieder nicht gereicht hat, alle zu besuchen!).
Seit einer Woche bin ich aber wieder zurück in Rotterdam und in der Schule ist einiges passiert. Wir hatten nämlich anstatt normalem Unterricht eine Projektwoche mit 2 verschiedenen Workshops. Vormittags war das Thema "Der innere Kritiker und andere Aspekte der Persönlichkeit" und am Nachmittag haben wir dann versucht mit vielen Holzpaletten rumzuturnen.
Die Vormittage waren richtig toll. Unsere Dozentin, Hilde Elbers, war früher professionelle Tänzerin und hat danach auf Tanztherapie und Theater-machen umgeschult. Also, natürlich tanzt sie auch noch richtig gut - aber in den anderen Dingen ist sie halt auch echt toll. In dem Workshop ging es drum seine Persönlichkeit differenzierter zu betrachten. Sozusagen als hätte man verschiedene Charaktere im Hirn, die abwechselnd die Führung übernehmen. Da gibt es dann zum Beispiel den inneren Kritiker (der nur am nörgeln ist), den Faulenzer (der einen gerne den ganzen Tag im Bett halten würde), den Über-Eifrigen (der gerne alles und das dann perfekt machen würde), den Zerstörer (der immer direkt einen richtigen Wutanfall bekommt), den Tröster (der einem gut zuredet) und noch viele andere. Vor allem Künstler haben oft einen starken inneren Kritiker und lassen sich sehr von dem und anderen ähnlichen Charakteren beeinflussen - und fühlen sich dann zu schlecht, unkreativ, untalentiert,.....Das merken wir hier in unserer Klasse auch und jeder konnte sich ziemlich gut wiederfinden in dem was Hilde uns anfangs beschrieben hat. In den folgenden Tagen haben wir dann verschiedene dieser Charaktere erarbeitet. Mithilfe von Tanz-Improvisationen, Malen, Schreiben und Impro-Theater. Das ganze war richtig richtig toll, eine perfekte Mischung aus verschiedenen Kunstformen. Man konnte richtig kreativ werden und sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen - und das dann als Ausgangspunkt für künstlerische Ideen nehmen. Mir und all meinen Klassenkameraden hat der Workshop unglaublich gut gefallen und wir konnten richtig viel mitnehmen. Nicht nur für die kreative Arbeit als zukünftige Künstler, sondern auch und besonders auf persönlicher und mentaler Ebene. Echt eine tolle Erfahrung!
Der Nachmittag war dafür nicht ganz so toll. Zwar war es interessant mit den Paletten zu arbeiten, aber wir alle fanden es ein bisschen doof, dass wir am Ende nicht davon haben. Der Workshopleiter wird nächstes Jahr eine Show mit ebensolchen Paletten kreieren und ist deshalb auf der Suche nach verschiedenen Ideen - er wird also vermutlich einige unserer Vorschläge verwenden. Aber das ist halt nicht so befriedigend wie es selbst zu verwenden für eine Show. Außerdem war es wirklich sehr frei. Im Prinzip hatten wir 3 Stunden Zeit in denen er uns keine Anweisung gegeben hat außer "Spielt einfach und probiert aus". Und das klingt
ziemlich cool, aber wenn man es nicht gewöhnt ist so frei zu arbeiten ist es echt nicht einfach. Trotz allem haben wir ein paar richtig coole Sachen gemacht und uns auch einige Spreisel zugezogen.

Außerdem diese Woche in der Schule: Die Krätze. Damit meine ich nicht Ronald Weasleys vermeintliche Ratte, sondern die Hautkrankheit. Falls sich der geneigte Leser jetzt fragt, was zur Hölle das ist - das wusste ich auch nicht bis vor 2 Wochen. Es handelt sich um eine parasitäre Hautkrankheit, die durch Milben verursacht wird, die sich unter die Haut bohren und da rumkrabbeln und Eier legen und solche Sachen (wieder was gelernt!). Klingt richtig unappetitlich und außerdem so, als käme es aus dem Mittelalter, stimmt's? Das dachte ich mir auch. Anscheinend ist es aber so, dass alle paar Jahre in irgendeiner Zirkusschule Krätze ausbricht und dann von einem zum anderen verschleppt wird (durch Hautkontakt) - und oft auch zur nächsten Zirkusschule. Naja, wir können Berührungen tatsächlich ziemlich schlecht vermeiden und diese Milben fühlen sich anscheinend in den Matten auch recht wohl. Auf jeden Fall gab es 2 Fälle in der Schule und deshalb durften am Freitag Abend alle Schüler zeitgleich eine präventive Behandlung durchführen und sich mit Anti-Krätze-Creme einschmieren. Es hat zu vielen lustigen Witzen geführt, glaubt mir.
Da ich mit 4 Leuten aus meiner Klasse am Freitag schon nach Belgien gefahren bin, um mir eine Open Stage anzusehen (vom Jugendzirkus Circusplaneet in Gent) hatten wir also um 2 Uhr nachts (ja ok, wir sind etwas später heimgekommen) riesig Spaß uns alle zu duschen und dann einzucremen (und diese Creme muss man überall - wirklich überall - hinschmieren. Also wirklich überall, ihr könnt es euch vorstellen).
Und simultan wurde die gesamte Schule geputzt, inklusive aller Matten und Wände. Hatte also immerhin einwas gutes, diese ganze Aktion.
Am Samstag war ich dann mit meinen Klassenkameraden und fast der ganzen restlichen Schule in Neerpelt, ebenfalls Belgien, beim Zirkusfestival Theater op de Markt. Dazu gibt's diese Woche dann aber noch einen extra Bericht :)






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