Sonntag, 25. März 2018

Projektwoche und Groupshow C3

Letzte Woche stand also die project week an. Wie im letzten Post berichtet hat sich der Plan für meine Klasse kurzfristig geändert, worüber ich nicht allzu glücklich war. Am ersten Tag wurden wir dann in Gruppen eingeteilt und jede Gruppe hat einen Ort in Rotterdam zugeteilt bekommen. In meiner Gruppe war neben mir als Zirkusstudentin noch Jessica. Außerdem hatten wir aus dem music department verschiedene Musiker (Geige, Querflöte, Kontrabass, Trompete, Gesang) und einen Komponisten. Und unser Ort für die Woche war das 12. Stockwerk in einem Bürogebäude. Komplett leer, nur mit Teppichboden ausgestattet. Die Aussicht war nicht schlecht, konnte aber nicht wirklich über die spröde Büroatmosphäre hinwegtäuschen. Wir waren also anfangs nicht übermäßig inspiriert. Das Unternehmen das diese Büroräume zur Verfügung gestellt hat nennt sich Tribes. Das Konzept ist sich von von verschiedenen indigenen Volksstämmen aus aller Welt Inspiration zu holen - um den "business Nomaden", die dort arbeiten aufregende Arbeitsplätze zu bieten. Dementsprechend hängen Bilder von geschminkten Stammesangehörigen an den Wänden und der Teppich hat aufregende Muster. Dieses spezielle Gebäude wurde vom Stamm der Juli aus Papua Neuguinea inspiriert. Es gab an der Rezeption auch ein kleines Buch mit verschiedenen Informationen über eben diesen Stamm. Darauf sind wir durch Zufall gestoßen und haben es zusammen gelesen. Nachdem ich das Konzept dieses Betriebs vorher schon nicht gerade brilliant fand, hat die Lektüre regelrechtes Entsetzen hervorgerufen. Hier ein paar Auszüge (frei ins Deutsche übersetzt):


  • Männer schlafen gewöhnlich in einer Hütte, während Frauen, Kinder und Schweine zusammen in einer anderen schlafen.
  • Wenn Männer und Frauen "Liebe machen" (das ist nicht meine Wortwahl) tun sie dies immer und ausschließlich im Gemüsegarten der Frau.
Es gibt sogar ein Video von der Eröffnung der Filiale wo man sieht, wie ein Haufen weißer Männer und Frauen mit angemalten Gesichtern im 4/4-Takt auf Klanghölzer haut und ein bisschen schunkelt.
Nun ja, damit hatten wir unser Konzept im Prinzip gefunden. Wir haben beschlossen weder Zirkus noch Musik live zu verwenden und das ganze eher zu einer kleinen Museumsführung zu machen. Wir haben also die absurdesten Passagen aus dem erwähnten Buch rausgesucht und zusammengeschrieben und dann noch einen zweiten Stamm namens Suits (dt.: Anzugträger) dazuerfunden. Den Originaltext haben wir dann ein bisschen angepasst und ein paar Wörter ersetzt. Ein Bekannter von uns hat dann in bester Morgan-Freeman-Manier beide Texte eingelesen und unser Komponist eine schöne Hintergrund-Geräuschkulisse drunter gelegt. Die Führung begann im Stockwerk unter uns, um dem Publikum zu zeigen, dass dieses Konzept tatsächlich existiert. Danach ging es in unser Stockwerk. Abwechselnd waren Passagen beider Texte zu hören und wir haben die Ausstellungsstücke/Zootiere gemimt. Irgendwann haben wir dann versucht die Grenzen zwischen den beiden Gruppen zu verwischen und am Schluss sind wir fröhlich ins Publikum gesprungen und haben die dort zu Stammestänzen animiert. Einer der Besitzer dieses Betriebs war auch da und hat uns danach für die Performance gelobt - an dem ist das Statement also komplett vorübergegangen. Überrascht mich aber nicht wirklich, immerhin ist es ihm bisher auch nicht aufgefallen. Aber wir haben etliche Komplimente bekommen und ich hatte echt viel Spaß dabei mal was mit politischer Botschaft zu kreieren - an dem Projekt hätte ich gerne noch etwas länger gefeilt.
Generell war es aber auch super in der Gruppe zu arbeiten, wir haben uns alle gut verstanden. Und auch die Vorführungen der anderen Gruppen waren sehr sehenswert (unter anderem in einer Kunstgalerie, einem Tanzstudio, einem kleinen Theater).
Generell war die Woche also eher entspannt, zumindest körperlich. Ich fühle mich ein bisschen als hätte ich Ferien gehabt. Aber kreativ waren wir echt gefragt!
Am Samstagmorgen habe ich bei der pre-eductaion unterrichtet. Das ist ein Kurs für SchülerInnen, die sich später gerne an einer Zirkusschule bewerben möchten. Da habe ich ein bisschen ausgeholfen als Akro-Lehrerin, das hat echt Spaß gemacht. Danach gab's einen Brunch mit ein paar Klassenkameraden bei Saana. Und dann sind wir zusammen nach Den Haag, den da gab's die Groupshow des dritten Jahrs zu sehen. Und die war echt toll! Wirklich sehenswert, ein schönes rundes Konzept und ganz viele tolle Bilder. Ich hab's wirklich sehr genossen! Danach wiederum gab es noch eine weitere Vorstellungen, die ich mir auch spontan angesehen habe. Das war ganz nett, aber nicht weiter erwähnenswert. Außerdem gab es noch eine Ausstellung von einer Künstlerin, die öfter mal bei unseren Proben zusehen hat und Skizzen angefertigt hat. Das war auch sehr interessant.
Jetzt mache ich mir noch einen ruhigen Sonntag.

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