Sonntag, 5. Februar 2017

Nochmal Cirque de Demain

Wie angekündigt gibt es jetzt noch einen kleinen Bericht von meinem letzten Wochenende, bei dem ich mit ganz vielen meiner Mitschüler beim Festival Mondial du Cirque de Demain war. Unser Bus ist morgens um 5:30 Uhr losgefahren (okay, das war zumindest geplant, in echt ist es ein bisschen später geworden) und wir waren ungefähr um 12 Uhr in Paris (glücklicherweise hatte ich 2 Sitze für mich und konnte somit zumindest ein bisschen schlafen). Hier zwei Feststellungen über Paris:

  1. Es ist riesig, unglaublich riesig, ein richtiger Moloch. Wir sind Ewigkeiten durch die Randbezirke gefahren, mindestens 1 Stunde.
  2. Es ist hässlich. Natürlich kann ich jetzt nur von den Randbezirken sprechen (und ich bin sicher, dass die Innenstadt mit all ihren berühmten Sehenswürdigkeiten fein rausgeputzt ist), aber der Teil den ich von Paris gesehen habe war wirklich nicht schön.
Wir hatten Eintrittskarten für beide Shows. Ein kurzer Einschub, um das System zu erklären. Es gibt zwei Shows (Show A und Show B), die beide jeweils zwei Mal vor Publikum und einer Jury gezeigt werden. Das fängt bereits am Donnerstag an. Am Samstag kann man beide Shows, das heißt auch alle Teilnehmer, hintereinander sehen. Die Abendvorführung wird übrigens auch immer bei Arte im Lifestream übertragen. Am Sonntag treten dann nochmal diejenigen Künstler auf, die einen Preis erhalten haben. Bis die erste anfing hatten wir aber noch 2 Stunden Zeit, weshalb wir in der Umgebung rumgelaufen sind. Manche haben sich in ein Café gesetzt, ich habe mir ein Croissant gekauft und mich gewundert, dass Palmen in Paris wachsen. Dann sind wir zurück zum Cirque Phenix, der sozusagen der Gastgeber für das Festival ist und sein Zelt zur Verfügung stellt. Wir haben uns in die Schlange am Eingang eingereiht, haben unsere Taschen kontrollieren lassen und standen dann noch ein bisschen im Foyer rum und haben mit Mitschülern, Lehrern und Bekannten gequatscht. Dann sind wir ins richtige echte Zirkuszelt, wo das ganze stattfinden sollte. Hier zwei Feststellungen über das Festival:
  1. Im Fernsehen sieht das Zelt immer viel größer aus, als es wirklich ist. Ich habe nochmal die Aufzeichnung angeschaut und bin beeindruckt, wie da dank Bildwinkel getrickst wird. (Das Zelt ist in echt trotzdem ziemlich groß!)
  2. Die Sitzplatzverteilung war unglaublich schlecht organisiert. Wir hatten, weil wir auf einer Zirkusschule sind, vergünstigte Karten, auf denen sinngemäß folgendes stand: Sitzplatz auf Tribüne 5 oder 7, freie Platzwahl (falls jemand kommt, der deinen Sitzplatz reserviert hat, such dir gefälligst einen neuen). Es gab unfreundliche Helfer/-innen, die einem bei der Platzwahl helfen sollten, allerdings dem Anschein nach selber keinen Plan hatten welche Plätze reserviert waren und welche nicht. Somit durfte die gesamte Codartsgruppe, nachdem endlich alle saßen, wieder aufstehen und sich durchs halbe Zelt begeben um einen anderen Sitzplatz zu suchen. (Aber ich will mich nicht beschweren, denn am Ende hatte ich einen viel besseren Sitzplatz als am Anfang).
Dann ging es endlich los mit der ersten Show - achja, vorher hat der etwas gruselig aussehende Moderator viel und schnell französisch gesprochen (nach anfänglichen Versuchen ihn zu verstehen habe ich es aufgegeben und lieber mit meinem Sitznachbarn gesprochen). Dann ging es endlich los mit der Gruppe Akoreacro. Die durften das Festival eröffnen, dafür aber nicht am Wettbewerb teilnehmen (wäre auch Blödsinn, denn die sind schon eine erfolgreiche Kompanie). Das war echt toll! Und danach ging es dann los mit den ersten Teilnehmern des Wettbewerbs. Ich werde hier nur diejenigen erwähnen, die ich erwähnenswert finde - eine komplette Liste gibt es aber hier unter "Shows A" bzw. "Show B" zu sehen. (Achtung, etwas verwirrend: Die erste Show die wir gesehen haben war Show B!). Meine Favoriten waren das Duo Jose & Dany, der Jongleur Onni Toivonen (der auf der verlinkten Instagramseite auch ein nettes Bild mit dem Ausblick aus seinem Hotelzimmer hat - das vermittelt einen guten Eindruck der Tristesse der Pariser Außenbezirke), Rémi Lasvènes (Kombination von Jonglage und Magie) und Guillaume Karpowicz mit seiner Diabolonummer. Ich bin schwer schockiert gewesen, dass die meisten meiner Favoriten Jonglagenummern waren. Auch interessant zu sehen waren die Nummern, die aus klassischen Zirkussen kamen. Denn obwohl die Artisten wirklich außergewöhnliche Fähigkeiten hatten, war die Art und Weise das ganze zu präsentieren für mich im Gegensatz zu den eher modernen Nummern zu altbacken.
Nach dieser ersten Show hatten wir nochmal 2 Stunden Zeit, die wir irgendwie vertreiben mussten (ich habe ein Buch gelesen) und dann sollte die zweite Vorstellung stattfinden. Schon am Eingang war zu merken, dass entschieden mehr Leute da waren. Bei der Platzvergabe ist dann ein richtiges Chaos ausgebrochen. Und obwohl laut überall verteilten Zetteln alle um Punkt 20:30 Uhr einen Platz haben sollten, weil dann die Fernsehübertragung starten sollte, ist das nicht im Ansatz geglückt. Außerdem war das Zelt bis zum Bersten überfüllt. In Deutschland wäre die Veranstaltung vermutlich abgeblasen worden, denn überall saßen Leute auf den Treppen und es gab so gut wie kein durchkommen mehr - von wegen 'Fluchtwege freihalten'. (Zum Glück bin ich einiges Chaos bei Großveranstaltungen gewöhnt, chrmdeutschemeisterschaftenchrm.) Dann ging es los mit dem Programm der Show A. Besonders toll fand ich ein Chinese Pole Duo namens Baltic Seamen, ChihHan Chao (schon wieder Diabolo) und dann noch folgende Gruppen: Die Antipoden Gruppe aus Zhejiang aus China (das war wirklich unglaublich! Antipoden ist übrigens eine Form der Jonglage, die mit den Füßen vollführt wird. In diesem Fall mit chinesischen (Regen?)Schirmen und dann auch noch kombiniert mit Partnerakrobatik - ich konnte leider kein Video finden) die Kompanie La Compagnie mit Teeterboard und Chinese Pole und die Compania Havana aus Kuba, die richtig gut drauf waren. Alles in allem war das auf jeden Fall eine richtig tolle Show.
Um Mitternacht haben wir uns dann wieder in den Bus gequetscht, uns noch ein bisschen über die verschiedenen Artisten unterhalten und dann versucht zu schlafen, bis wir pünktlich um 5:30 Uhr wieder in Rotterdam waren.
Diesen zweiten Teil kann man sich in der Arte Mediathek auch immer noch ansehen (und sogar das viele französische Gebabbel überspringen - und vielleicht auch die erste Nummer mit dem Typen und der Pendeluhr, die ich persönlich grauenhaft fand).
Alles in allem war das auf jeden Fall ein super interessanter Tag und bestimmt nicht mein letztes Mal beim Festival Mondial du Cirque de Demain. 

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